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Einleitung

Zeitbestimmung und Zeitrechnung - vielmehr eigentlich alles rund ums Thema Kalender war seit jeher eine Domäne der Astronomie. Auf diesem Gebiet wird wohl am ehesten deutlich, welche Rolle die Astronomie im täglichen Leben spielt. Ohne präzise Zeitmessung käme unsere heutige Zivilisation wohl schnell durcheinander.

Hauptsächlich drei astronomische periodische Vorgänge bestimmen unseren Lebensrhythmus:

Die astronomische Zeitbestimmung beruht im Prinzip auf den selben Naturvorgängen, nämlich auf:

Zuerst ein paar Begriffsdefinitionen. Dass die Kulmination der Durchgang des Gestirns durch den Orts-Meridian ist, d.h. der Stern steht im Süden und zugleich am höchsten Punkt seiner Bahn, wird bei den Koordinatensystemen erklärt. Nichtsdestotrotz hier nochmal eine Skizze: Am Beispiel der Sonne sehen wir hier den Meridiandurchgang, auf der Nordhalbkugel der Erde ist das immer im Süden.

Obere Kulmination der Sonne

Es ist dann genau 1200 Uhr wahre Ortszeit. Wie der Name schon sagt ist die Ortszeit eine auf den Beobachtungsort bezogene Zeitangabe. Zwei auf unterschiedlichen geografischen Längen befindliche Uhren zeigen unterschiedlichen Zeiten an, weil für beide Orts die Sonne zu unterschiedlichen Zeiten im Meridian steht: im Punkt A kulminiert die Sonne gerade, im Punkt B ist es hingegen bereits späterer Nachmittag. Ortszeiten in Bezug auf den LängengradDie wahre Ortszeit bezieht sich eben auf die wahre Sonne, gemeint ist die Sonne, die sich entlang der Ekliptik im Laufe eines Jahres herumbewegt. Da die Geschwindigkeit dieser wahren Sonne aber nicht konstant ist, eignet sie sich nicht zur genauen Zeitmessung: weil sich ja die Erde auf einer elliptischen Umlaufbahn befindet - siehe Ekliptik - läuft die Sonne von der Erde aus gesehen im Winter (Sonnennähe) schneller und im Sommer (Sonnenferne) langsamer.
Eine Sonnenuhr zeigt uns immer die wahre Ortszeit an, sie kann sozusagen nicht lügen. Weil dieses Zeitmaß aber wie gesagt unregelmäßig ist, hat man die mittlere Sonne und mit ihr die mittlere Ortszeit eingeführt:

Die mittlere Sonnenzeit ist ein (nahezu) gleichförmiges Zeitmaß, wobei die jährliche Bewegung der mittleren Sonne erfolgt

Das hat folgende Konsequenzen: die mittlere Sonnenzeit weicht von der wahren Sonnenzeit im Laufe eines Jahres um bis zu 16m ab, dafür ist sie aber sehr gleichmäßig und eignet sich besser zur Zeitmessung. Die Abweichung wird durch die sogenannte Zeitgleichung beschrieben.

Dass genaugenommen auch die Zeitrechnung mit mittlerer Sonnenzeit nicht exakt konstant ist, hat die folgenden Ursachen

Die Unterschiede sind relativ klein und werden in diesem Rahmen zunächst einmal vernachlässigt.

Ein Sterntag und mittlerer Sonnentagweiterer wichtiger Begriff ist die Sternzeit. Die Erdrotation wird dabei in Bezug auf den Frühlingspunkt gemessen. Da ja die Erde nach einer Umdrehung um ihre Achse auch ein kleines Stück auf ihrer Bahn um die Sonne weitergewandert ist, stellt sich die erneute Blickrichtung zur Sonne ein wenig später ein als die Blickrichtung zum Frühlingspunkt. Wie wär's mit einer Skizze?

Man sieht:
Ein Sterntag ist im Vergleich zu einem mittleren Sonnentag kürzer. Natürlich ist das in der Skizze stark übertrieben dargestellt. Im Vergleich zum Sterntag ist dann der mittlere Sonnentag natürlich länger. Der Unterschied beträgt in etwa 4m. Ein Sterntag ist etwas genauer gesagt nach 23h56m4s.1 mittlerer Sonnenzeit zu Ende, umgekehrt dauert ein Sonnentag etwa 24h3m56s.6 Sternzeit.
Die Sternzeit ist damit also nichts Anderes als der Stundenwinkel des Frühlingspunktes. Steht der Frühlingspunkt im Meridian ist es 0h Sternzeit. Nicht zu vergessen: Die Sternzeit ist eine Ortszeit, daher vom Beobachtungsort abhängig.

Im Laufe eines Tages hat sich die Sonne im Mittel um etwa 0.9863° (= 360°/365) von West nach Ost auf der Ekliptik weiterbewegt, das ist fast das Doppelte ihres scheinbaren Durchmessers von etwa 32'. Im Laufe eines Jahres wandert die Sonne aber einmal durch die Ekliptik, d.h. rund 365 Sonnentage = 366 Sterntage.

Zusammenfassend lassen sich aus der Erdrotation 5 Zeitintervalle definieren:

Wirklich beobachtbar von all diesen Zeitintervallen sind nur wahrer Sonnen- und Sterntag sowie die siderische Erdrotation. Die anderen beiden sind sozusagen Festlegungen. Der Frühlingspunkt bewegt sich entgegen der Bewegung der Sonne auf der Ekliptik mit einer Geschwindikeit von ca. 50''.3878 pro Jahr (dies gilt für das Jahr 2000). Mehr dazu hier.

 

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