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Das rotierende Äquatorsystem benutzt die beiden Winkel alpha und delta eines Objekts. Es sind dies die sogenannten äquatorialen Koordinaten. 'Rotierend' ist dabei so zu verstehen, dass sich das Koordinatensystem mit der gedachten Himmelssphäre bei der Drehung der Erde im Tagesverlauf mitdreht. Die Koordinaten alpha und beta verändern ihren Wert, der ja an der Himmelskugel gemessen wird, nicht (natürlich dreht sich eigentlich die Erde, und nicht die Himmelskugel, für einen erdgebundenen Beobachter rotiert aber scheinbar die Himmelskugel). Sie können aber natürlich in die Koordinaten der anderen Systeme umgerechnet werden.

 

Linkes Bild: Die Winkel des rotierenden Äquatorsystems aus der Sicht eines erdgebundenen Beobachters: Rechtes Bild: Die Winkel des rotierenden Äquatorsystems aus der Sicht eines außerhalb der Himmelskugel gedachten Beobachters:
Das rotierende Äquatorsystem

Erläuterung

alpha

Rektaszension 'alpha', Winkel zwischen dem Frühlingspunkt und dem Schnittpunkt Himmelsäquator/Stundenkreis des Sterns. Er wird vom Frühlingspunkt aus entgegen der täglichen Bewegung der Himmelssphäre im Zeitmaß von 0h bis 24h gemessen.

Bsp.: Sirius hat die Rektaszension alpha = 6h45m9s, d.h. er liegt etwas mehr als 90° (=6h) östlich des Frühlingspunktes auf der Himmelskugel.

 delta

Deklination 'delta', Winkelabstand des Sterns vom Himmelsäquator, auf dem Stundenkreis des Sterns nach Norden positiv und nach Süden negativ gezählt.

Frühlingspunkt

Der Frühlingspunkt , Schnittpunkt des Himmelsäquators mit der Ekliptik - jener Punkt, an dem die Sonne meist um den 20/21. März steht, mit Abweichungen wegen Schaltjahren und dergleichen mehr. Die Bezeichnung 'Widderpunkt' (deswegen auch dieses Symbol) stammt noch aus grauer Vorzeit, als der Frühlingspunkt noch im Sternbild Widder (Aries) lag. Heute ist er wegen der Präzession im Sternbild Fische zu finden.

Referenzebene Himmelsäquator-Ebene
Referenzpunkt Frühlingspunkt
Pole Himmelsnord- und südpol
Mittelpunkt Erdmittelpunkt
Stundenkreis Großkreis (im Äquatorsystem) an der Himmelskugel durch die momentane Position des Sterns.

 

Sternzeit und Stundenwinkel

Die Ortssternzeit an einem bestimmten Beobachtungsort ist nichts anderes als der Stundenwinkel des Frühlingspunktes. Der Stundenwinkel ist ja eine Koordinate im ruhenden Äquatorsystem. Wenn an einem bestimmten Beobachtungsort der Frühlingspunkt im Meridian steht (bei uns auf der Nordhalbkugel also im Süden), dann ist an diesem Ort gerade Sternzeit = 0h Uhr. Im Laufe der Erdrehung bewegt sich der Frühlingspunkt weiter, wie jeder ander Punkt an der Himmelskugel auch, er umrundet uns einmal innerhalb eines Sterntages. Ein mittlerer Sterntag ist ja um etwa 4 Minuten kürzer als ein mittlerer Sonnentag, genaueres dazu hier. Die Sternzeit wird mit dem griechischen Buchstaben Theta theta bezeichnet. Manchmal auch mit dem Großbuchstaben Theta.

Für das ruhende bzw. das rotierende Äquatorsystem gelten jetzt folgende Aussagen:

Demnach besteht jetzt zwischen dem ruhenden und rotierenden Äquatorsystem folgende Beziehung:

Stundenwinkel = Sternzeit - Rektaszension

Stundenwinkel = Sternzeit - Rektaszension

Das ist eine wichtige Gleichung. Man verwendet sie zur Berechnung der Sternzeit oder des Stundenwinkels, je nachdem, in welches System umgerechnet wird bzw. welche Größen bekannt sind. Die Rektaszension ist ja als Koordinate des Sterns aus Sternkarten bekannt. Zu guter Letzt noch schnell die grafische Variante der obigen Gleichung:

Sternzeit und Stundenwinkel

Hier das Ganze aus Sicht des Beobachters auf der Erde. Das blaue Gitternetz sind die äquatorialen Koordinaten. Der Frühlingspunkt ist ja einer der Schnittpunkte von Himmelsäquator und der Ekliptik, welche hier aber nicht eingezeichnet ist. Die Rektaszension alpha misst sich als Winkel vom Frühlingspunkt bis zum zum Stern entlang des Himmelsäquators, und die Deklination delta von diesem End-Punkt senkrecht dazu bis zum Stern. So gesehen ist alpha die äquatoriale Länge und delta die äquatoriale Breite eines Sterns. Die Sternzeit theta gibt an, welchen Winkel der Frühlingspunkt fp seit seinem Meridiandurchgang aufspannt, und der Stundenwinkel t des Sterns ist ebenfalls eingezeichnet.

Konsequenzen der obigen Gleichung:

Wenn Frühlingspunkt im Süden, ist die Sternzeit theta = 0

theta = 0, also t = - alpha

Der Stundenwinkel des Objektes ist dann also gleich der negativen Rektaszension des Objektes. Da die Rektaszension von 0-24 Stunden läuft, ist der negative Wert gleich der Ergänzungwinkel von +alpha auf 24 Stunden. Man muss in diesem Fall 24 Stunden hinzuzählen, um den Stundenwinkel t zu erhalten.

Eine weitere Aussage wäre: steht der Stern im Meridian, ist sein Stundenwinkel t = 0, und dann gilt theta = alpha, die Sternzeit an diesem Ort ist also gleich der Rektaszension dieses Sterns.

Beispiel: Sirius im großen Hund (Canis Maior) hat eine Rektaszension von alpha = 6h45m9s. Steht Sirius am Beobachtungsort im Meridian, beträgt also dort die Orts-Sternzeit 6h45m9s.

 

 

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