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Wie hell sind die Sterne wirklich? - Die absolute Helligkeit M

 

Die Sterne, die wir nachts an der scheinbaren Himmelskugel sehen, sind in Wirklichkeit natürlich im Raum verteilt. Die absolute Helligkeit eines 1/r*r-GesetzSterns hängt also von seiner wahren Helligkeit - seiner intrinsischen (innewohnenden) Energieabstrahlung - und seiner Entfernung ab. Ein riesengroßer Stern mit immenser Leuchtkraft kann durch große Entfernung schwächer erscheinen als ein durchschnittlicher Stern 'normaler' Größe und Leuchtkraft, der uns räumlich viel näher liegt. Man kann sich das leicht klar machen, nämlich wegen der physikalischen Tatsache, dass die Strahlungsenergie mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt. Die nebenstehende Skizze zeigt das: Die selbe Energiemenge aus einer punktförmigen Quelle durchtritt bei konstantem Raumwinkel in doppelter Entfernung die 4fache Fläche.

Man definiert nun die absolute Helligkeit M (großes M, wird ebenfalls hochgestellt wie bei mag) eines Sterns, indem man ihn aus seiner tatsächlichen Entfernung in eine gedachte Entfernung von 10 parsec versetzt. Man tut also so, als ob sich alle Sterne in der selben Entfernung von 10 parsec auf einer theoretischen Kugel befänden und vergleicht dann ihre Helligkeiten. Sterne die weiter entfernt sind als 10 [pc] werden herangeholt, Sterne die näher als 10 [pc] liegen, werden nach weiter außen gedacht.

Absolute Helligkeit = Helligkeit, die der Stern in einer Einheitsentfernung von 10 [parsec] hat.

Gedachte Fixierung in 10 [pc] EntfernungEine Skizze wäre nicht schlecht? OK. Die Sterne des Großen Wagens z.B. liegen irgendwo im Raum, wir denken sie uns an unsere Kugel mit der Einheitsentfernung 10 [pc] versetzt. Die vom Stern kommende Gesamtenergie verändert sich dabei aber nicht, und es gilt (analog zur Gleichung der scheinbaren Helligkeit m und dem Strahlungsstrom s im letzten Kapitel) hier:

delta M, Formel

bzw. für das Verhältnis der Strahlungsströme

Verhältnis der Strahlungsströme

Wenn man jetzt von der interstellaren Absorption absieht und so tut, als gäbe es keine verschluckende Materie zwischen den Sternen (was ja nicht der Fall ist, die gibt es), kann man unter Zuhilfenahme des 1/r2-Gesetzes, also dass sich die Strahlungsströme umgekehrt proportional mit dem Quadrat der Entfernung verhalten, folgendes anschreiben:
Die Differenz von scheinbarer und absoluter Helligkeit ist

Herleitung

und damit gilt

Entfernungsmodul

Die Größe (m-M) bezeichnet man jetzt als Entfernungsmodul. Die (tatsächliche) Entfernung r des jeweiligen Strerns ist dabei in [pc] einzusetzen. Verschwindet der Entfernungsmodul, ist die Entfernung also = 10[pc].
Diese Beziehung wird benutzt:

 

Weil es einen Zusammenhang zwischen Entfernung r in [pc] und der Parallaxe pi in [Bogensekunden] gibt (siehe Parallaxe), nämlich

Parallaxe

kann man auch mit der Parallaxe in Bogensekunden [''] anschreiben:

Entfernungsmodul 2

Der Entfernungsmodul der Sonne ergibt sich aus der Definition des Parsec und obiger Gleichung zu

Entfernungsmodul Sonne

woraus wiederum die absolute (visuelle) Helligkeit der Sonne folgt mit:

Abs. Helligkeit der Sonne

Die fotografische absolute Helligkeit Mph unserer Sonne ist mit +5.m4 sogar noch kleiner. Die Sonne ist demnach mit ihrer absoluten Helligkeit - also wenn sie 10 [pc] entfernt wäre - ein absoluter Durchschnittsstern.

Hier noch eine kleine Tabelle zum Vergleich Entfernungsmodul [mag] - Entfernung in [pc]:

für Entfernungsmodul [mag] ist Entfernung in [pc]
(m-M) = -5 1
= 0 10
= +5 100
= +10 1000 pc = 1 kpc
= +25 106 pc = 1 Mpc

Abschließend sei noch die bolometrische Helligkeit erwähnt. Diese wird über den gesamten Wellenlängenbereich gemessen, es wird das komplette Spektrum des Lichts verwendet, also nicht nur konkrete Wellenlängen. Die absolute bolometrische Helligkeit eines Sterns ist somit ein Maß für seine gesamte Energieabstrahlung. Den dazu gehörenden Strahlungsstrom bezeichnet man als Leuchtkraft. Sie ist eine wichtige Zustandsgröße eines Sterns.
Im UBV-System (siehe Kapitel Sternfarben) hat z.B. unsere Sonne die folgenden Werte:

  Scheinbare Helligkeit [mag] Farbindex FI Absolute Helligkeit [mag]
Ultraviolett Scheinb. Helligkeit UV Farbindex U-B abs. Helligkeit der Sonne UV
Blau Scheinb. Helligkeit blau Farbindex1 U-V abs. Helligkeit der Sonne blau
Visuell Scheinb. Helligkeit visuell   abs. Helligkeit der Sonne visuell

Die absolute bolometrische Helligkeit unserer Sonne beträgt

Bolometr. Helligkeit der Sonne.

Ihre Leutkraft in Watt beträgt

Sonnenleuchtkraft.

Die Leuchtkraft L eines Sterns bezogen auf die Leuchtkraft der Sonne ist dann

Leuchtkraft eines Sterns

Kennt man also die absolute bolometrische Helligkeit Mbol des Sterns und damit die linke Seite der Gleichung, erhält man schließlich die Leuchtkraft des Sterns. Das ist aber in der Praxis nicht ganz so einfach, wie es hier niedergeschrieben ist...:-)

 

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