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Wie hell sind die Sterne? - Die scheinbare Helligkeit m - Magnitudo

 

Wenn man den Sternenhimmel betrachtet fällt einem natürlich auf, dass nicht alle Sterne gleich hell erscheinen. Auch in der Färbung scheinen sie sich zu unterscheiden. Schon der griechische Gelehrte Hipparch und viele andere altertümliche Astronomen hatten versucht, die Sternhelligkeiten zu katalogisieren.

In der Astronomie spricht man Hipparchus,  190-120 v.Chr.in diesem Zusammenhang von der sogenannten Größenklasse. Hipparch legte willkürlich fest, dass die am hellsten erscheinenden Sterne die Größenklasse 1 bekommen, und jene Sterne, die gerade noch mit bloßem Auge erkennbar sind, die Größenklasse 6.
Ein 'Stern 1. Größe', wie man auch verkürzt sagt, wäre z.B. Antares im Skorpion. Nach heutiger Definition würde man schreiben: 1.03mag oder 1mag03 (1.03 ist der genaue, heutige Wert).
Das rührt daher, dass 'Größenklasse' im Lateinischen 'magnitudo' heißt, weswegen sie mit mag oder einfach nur m abgekürzt wird (nicht zu verwechseln mit dem m für Minuten, deswegen wird das m bei Größenklassenangaben hochgestellt, um Verwechslung zu vermeiden, wenngleich auch oft das Minuten-m hochgestellt wird. Der Unterschied ist aber, dass ein m für Magnitudo meist direkt über dem Komma steht).

Wir sprechen hier von der scheinbaren Helligkeit der Sterne, so wie sie uns an der Himmelskugel erscheinen. Die absolute Helligkeit eines Sterns - d.h. wie hell er wirklich ist - hängt natürlich von seiner Größe (Durchmesser), von seiner Masse und von seiner Entfernung ab.

Scheinbare Helligkeit = Helligkeit, mit der ein Stern uns erscheint.

Norman Robert Pogson (1829-1891)Die Einteilung Hipparchs (auch Ptolemäus wird dafür genannt) war sehr lange in Gebrauch, und im wesentlichen ist sie das auch noch heute. Natürlich gibt es heutzutage exaktere Messmethoden (Fotometrie), mit der die Helligkeiten bestimmt werden können. N.R. Pogson (1829-1891), ein britischer Astronom, schlug in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts die erste 'wissenschaftliche' Definition einer Größenklassen-Skala vor. Er trägt dabei einem Phänomen Rechnung, das unter dem Namen Weber-Fechner'sches Gesetz bekannt ist und ebenfalls in dieser Zeit entstand. Dieses besagt grob gesprochen, dass die Empfindungsstärke des menschlichen Auges nicht linear, sondern logarithmisch verteilt ist, d.h. zum Beispiel, die doppelte Helligkeit auf der Skala wird vom Auge nicht doppelt so hell wahrgenommen. Das Gesetz gilt auch für den Gehörsinn, Link ins WWW mehr dazu hier.

Es ist klar, dass man nach der Erfindung des Teleskops auch wesentlich schwächere Sterne als jene mit Größenklasse 6 erkennen konnte, daher musste die Skala erweitert werden. Auch wurde durch MessungenGrößenklassenskala 1 klar, dass es hellere Sterne als solche 1. Größenklasse gibt. Um nicht ein komplett neues System einführen zu müssen, nahm Pogson die 'alte' Skala als Grundlage. Wie man bereits gemerkt haben dürfte, sind Sterne mit 'größerer' Größenklassen-Zahl schwächer und jene mit kleinerer Größenklassen-Zahl heller. Pogson erweiterte also die altertümliche Größenklassen-Skala nach oben hin (7., 8., usw. Größenklasse - schwächere Sterne), und auch nach unten hin: 0., -1., -2. Größenklasse usw., für noch hellere Sterne, für die Planeten oder z.B. auch für Mond und Sonne.
Dabei ist wichtig: Die Unterschied von einer Größenklasse zur nächsten beträgt immer das 2.512-fache in der Helligkeit, genau genommen im Strahlungsstrom. Das ist auf den ersten Blick eine krumme Zahl, aber sie ergibt sich folgendermaßen:

Pogson hat festgelegt, dass die Strahlungsintensität zwischen einem Stern 1. und einem Stern 6. Größenklasse - also einer Differenz von 5 Größenklasen - ein Vielfaches mit dem Faktor 100 betragen soll. Ein Stern 1. Größe strahlt also 100 mal heller als ein Stern 6. Größe.

Größenklassenskala 2

Also nochmal im Detail:

Ein Stern 1. Größenklasse ist um 2.512 mal heller als einer 2. Größenklasse, ein Stern 2. Größen ist 2.512 mal heller als einer 3. Größe, usw.
Der genaue Multiplikator ist dann eigentlich die fünte Wurzel aus 100, also

Faktor

Auf Sternkarten werden zur anschaulichen Darstellung hellere Sterne einfach durch größere Punkte dargestellt, schwächere Sterne durch entsprechend kleinere Punkte. Die Differenz in Größenklassen entspricht einem Verhältnis der Strahlungsströme von:

Differenz in
Größenklassen Deltam

Unterschied im
Strahlungsstrom

1 2.512
2 2.512 x 2.512 = 6.310
2.5 2.5122.5 = 10
3 2.5123 = 15.849
4 2.5124 = 39.811
5 2.5125 = 100
7.5 1 000
10 10 000
12.5 100 000
15 1 000 000

Man spricht also eigentlich immer von Größenklassendifferenzen bzw. Intensitätsverhältnissen. Intensität ist eigentlich nicht sauber, denn genau genommen handelt es sich nicht um Intensitäten, sondern um den Strahlungsstrom s vom Stern:

Der Logarithmus des Strahlungsstroms ist also - nach oben erwähntem Weber-Fechner'schem Gesetz - proportional zur scheinbaren Helligkeit m:

Proportinalität von s und m

Der Proportionalitätsfaktor wurde jetzt so gewählt, dass es eine möglichst gute Angleichung an die 'alte' Skala gab. Dieser Faktor wurde mit -2.5 festgelegt (nicht zu verwechseln mit dem Multiplikator 2.512 zwischen den Größenklassen selbst!), und im weiteren reden wir immer von Verhältnissen (Strahlungstrom) bzw. Differenzen (Größenklassen), weil immer zwei Sterne verglichen werden.

Verhalten sich die (mit einem Fotometer gemessenen) Strahlungsströme zweier Sterne wie s1/s2, so ist nach Pogson die Differenz ihrer scheinbaren Helligkeiten

Delta m

Löst man diesen Zusammenhang nach dem Verhältnis der Strahlungsströme auf, erhält man

Verhältnis der Strahlungsströme

Dies sind schon einmal 2 wichtige Zusammenhänge.
Hier noch eine kleine Tabelle zum Vergleich: Die Helligkeitsdifferenz von Sonne und Sirius z. B. beträgt -26.8-(-1.46), grob also -25mag , was nach obiger Formel den 10milliardenfachen Strahlungsstrom bedeutet!

Wega 0mag03  
Sirius (hellster Fixstern) -1mag46 Verhältnis Sonne zu Sirius
Sonne -26mag8
Grenze für bloßes Auge 6mag  
schwächste Objekte (von der Erde aus) 23 - 24mag Mit dem Hubble Space Telescope (HST) werden Größenordnungen von bis zu +29mag möglich, im Weltraum gibt es keine störende Atmosphäre.

Folgende Redensart hat sich eingebürgert:

Der Stern Wega mit einer scheinbaren visuellen Helligkeit von 0mag03 ist um 1.3 Größenklassen (oder 'Magnitudines') größer als Deneb mit 1mag33 bzw. Deneb ist 1mag3 Größenklassen kleiner als Wega.

ACHTUNG: 1m3 Größenklassen "größer" heißt aber nicht 1.3 mal heller, sondern 10^(-0.4*-1.3) = 3.31 mal heller! (siehe oben).

Es fehlt jetzt allerdings noch ein Null-Punkt für diese Skala. Der ursprüngliche Nullpunkt wurde durch die Internationale Polsequenz festgelegt. Es handelte sich dabei um etwa 100 Sterne in einem Winkelbereich von ca. 2° um den Polarstern. Diese Sterne wurden auch 'Nordpolsequenz' oder einfach 'Polsequenz' genannt und deckten mit +2mag bis +17mag einen guten Teil des Helligkeitsbereiches ab. Sie dienten daher als Standardsterne zur Eichung der Messgeräte. Die Nordpolsequenz kann von jedem größeren Observatorium auf der Nordhalbkugel der Erde zu jeder Jahreszeit beobachtet werden. Die Sterne der Polsequenz wurden sehr genau vermessen und auf eventuelle Helligkeitsschwankungen untersucht.

Nachdem es aber heute modernere Messmethoden gibt (fotoelektrische Fotometrie), vermaß man in Sternhaufen wie z.B. den Plejaden oder Hyaden (beide im Sternbild Taurus, Stier) Standardsequenzen mit einer Genauigkeit von ±0.m01, und das über ein möglichst großes Helligkeitsintervall.
Insgesamt gibt es heute einige hundert 'Standardsterne', auf die man sich bei Messungen beziehen kann. Es sind dies allerdings Helligkeiten außerhalb der Erdatmosphäre (extraterrestrische Helligkeiten). Zur Bestimmung der scheinbaren Helligkeit eines Sterns misst man das Verhältnis seines Strahlungsstromes s1 im Verhältnis zu dem eines Standardsterns mit s2 und Helligkeit m2. Aus der oben angeschriebenen Gleichung erhält man die scheinbare Helligkeit m1. Die Extinktion, also das, was die Erdatmosphäre an Licht 'verschluckt', muss als sogenannte differentielle Extinktion noch herausgerechnet werden, was aber den Rahmen dieser Seite sprengen würde ;-)

(Anm.: Es gibt atmosphärische und interstellare Extinktion.)

 

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