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Hier eine kurze Erläuterung zur Frage:
 "Was hat denn mein Fernrohr jetzt eigentlich für eine Auflösung?"

Ohne sich zuviel mit Physik zu beschäftigen kann man festhalten, dass die Öffnung eines Fernrohres, sei es Refraktor oder Spiegelteleskop, einen Effekt auf das einfallende Licht hat, den man allgemeinhin als Beugung bezeichnet. Das Licht eines Sterns kann auf Grund seiner großen Entfernung als parallel angesehen werden. Somit trifft eine sogenannte ebene (Licht-)Welle auf die runde Öffnung unseres Teleskopobjektivs. G. Airy (1801-1892)Die punktförmige Lichtquelle (unser Stern) produziert im Brennpunkt des Objektivs keine punktförmige Abbildung, sondern ein kreisförmiges 'Muster', das sogenannte Beugungsscheibchen , umgeben von konzentrischen Ringen. Beim Spiegelteleskop kommen genaugenommen die Beugungseffekte an eventuellen Fangspiegel-Halterungen noch hinzu. Besagtes Muster wurde von George Airy (Bild) im Detail untersucht und ihm zu Ehren trägt die zentrale Scheibe, die ca. 83.8% Intensitätsverteilung des gesamten Lichtes enthält, seinen Namen. Das Bild zeigt das Ganze nicht als Beugungsbild, wie es im Teleskop zu sehen wäre, sondern unter Laborbedingungen, um noch mehr Ringe zu erhalten. Die Intensität der äußeren Ringe nimmt rasch ab, selbst der erste Ring besitzt nur mehr weniger als 2% der Helligkeit des Airy-Scheibchens.

Daher sind selbst unter optimalen Beobachtungsbedingungen meist nur wenige diese Beugungsringe zu beobachten.
Airy-Disk mit Beugungsringen


Die Radien der Intensitätsminima (also die Radien der dunklen Ringe) sind durch die Nullstellen einer sogenannten Bessel-Funktion gegeben, wie Airy nach komplizierten Berechnungen zeigen konnte. Das erste Minimum liegt beim Radius (gemessen im Bogenmaß) von

 

Formel 01

lambda .....Beobachtungswellenlänge [m]
D.....Öffnung des Teleskops [m]

bzw. ergibt sich nach der Multiplikation mit dem Faktor 206265 [Bogensekunden/rad] der Wert für alpha in Bogensekunden zu

Formel 02

Auch hier ist lambda die Wellenlänge des Lichts, in der gerade beobachtet wird und D der Durchmesser der Teleskopöffnung.
alpha nennt man das beugungsbegrenzte Auflösungsvermögen eines Teleskops. Das Doppelte dieses Winkels, 2alpha , entspricht dem Durchmesser des Airy-Scheibchens. Jetzt kommt die zentrale Aussage für unser Thema, nämlich das

Rayleigh-Kriterium für das beugungsbegrenzte Auflösungsvermögen:
Zwei Punkt-Lichtquellen können gerade noch unterschieden werden, wenn das zentrale Maximum des Beugungsscheibchens der einen Quelle mit dem ersten Minimum der anderen Quelle zusammenfällt.

Lord Rayleigh (1842-1919)

John William Strutt Lord Rayleigh zu Ehren, der viel auf dem Gebiet der Wellenausbreitung des Lichts geleistet hat, wurde dieses Kriterium benannt (Rayleigh war der erste, der vernünftig darlegen konnte, warum der Himmel blau ist). Nun, diese Aussage wird klar, wenn man folgendes Bild betrachtet: Überlagerung-InterferenzIm großen Bild sind die beiden Lichtquellen so weit voneinander entfernt, dass die beiden Beugungs-Scheibchen weit außerhalb des jeweils ersten Minimums des anderen zu liegen kommen. Man denke sich eines der beiden Scheibchen in die erste Dunkelzone (zwischen Maximum und 1. hellen Ring) des jeweils anderen hinein, sprich: die beiden Airy-Scheibchen beginnen 'zusammenzuwachsen', was im kleinen Bild unten rechts dargestellt wird. Es ist klar, dass dies die Untergrenze der Auflösung sein muß, d.h. die Lichtquellen können gerade noch als zwei getrennte Scheibchen wahrgenommen werden. Das Ganze kann man sich noch besser (warum nicht gleich so...) in einer 3D-Darstellung zu Gemüte führen (siehe Bild unten): Bild a zeigt die Intensitätsverteilung einer einzigen Lichtquelle, die Bilder b1 bis b3 zeigen das Zusammenrücken zweier punktförmiger Lichtquellen. Im letzten Bild wäre eine eindeutige Trennung = Auflösung nicht mehr möglich. Man hat festgestellt, dass man noch zwei getrennte Punkte wahrnehmen kann, wenn die Einsenkung zwischen den Maxima mindestens 15% von Imax (also der maximalen Intensität = Spitzen) beträgt. (vgl. etwa Bild b2)


Überlagerung 2er Lichtquellen, 3DWill man das Auflösungsvermögen in linearen Einheiten wie z.B. [m], muß man einfach mit der Brennweite fTel seines Teleskops multiplizieren und erhält für den linearen Radius des Scheibchens:

Formel 03

In der Praxis setzt man für die Wellenlänge lambda gerne den Wert lambda = 550 [nm] ein, was einen guten Mittelwert für das vom menschlichen Auge wahrnehmbare Lichtspektrum (ca. 380-750 [nm]) darstellt und im gelb-grünen Bereich liegt.
Um nicht so lange mit irgendwelchen  Umrechnungsfaktoren herumrechnen zu müssen verwendet man hier gerne eine beliebte 'Faustformel', die für lambda = 550 [nm] = 550·10-9 [m] gilt:

Formel 04

Dabei ist die Teleskopöffnung in [cm] einzusetzen, und man erhält alpha sofort in Bogensekunden. Diese Fasustformel dient dem schnellen Überblick.

Andere schwören wieder auf eine angeblich mehr an die Praxis angepasste 'Faustformel', bei der davon ausgegangen wird, dass sich die sogenannte kleinste Winkelauflösung d0  so verhält:

Formel 05Formel 06

Wie dem auch immer sei, in Prospekten findet sich meist die letztere Formel, weil dadurch kleinere Werte erzielt werden, was eine bessere Qualität der Optik vorspiegelt (im wahrsten Sinne des Wortes). Jeder, der bis hierher gelesen haben sollte, kann jetzt getrost das Gesagte wieder vergessen! Die angegebenen Formeln sind nämlich rein theoretischer Natur, weil eine solche Auflösung in der Praxis so gut wie nie erreicht wird, zumindest nicht am Amateur-Sektor.
Das Seeing macht da einen gewaltigen Strich durch die Rechnung:

Seeing:
Veränderungen des Brechungsindex entlang des Sehstrahls verursachen Qualitäts- und Positionsveränderungen des beobachteten Objekts. Eine Punktquelle wird zu einem sogenannten Seeing-Scheibchen verschmiert.

Mit anderen Worten tanzen die Objekte regelrecht im Bildfeld umher, jeder, der z.B. schon im Sommer beobachtet hat, kennt das ohnehin. Unter der Voraussetzung, einen sehr guten Beobachtungsort mit idealen Bedingungen zu haben, könnte man sagen:

...aber wie gesagt: unter Ideal-Bedingungen.

Einige kleine Beispiele zum Thema gibt es bereits, sie müssen allerdings erst webtechnisch aufbereitet werden..

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